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J. Caspers, A. König und J. Wenzel   William Engelen   Kathrin Horsch   Marcel Türkowsky
 
Kathrin Horsch
Kathrin Horsch (*1973) beschäftigt sich unter Verwendung der Medien Film und Fotografie sowie akustischer Medien häufig mit dem Alltäglichen. Das Moment der Wiederholung spielt dabei eine zentrale Rolle. So hat Kathrin Horsch für Möhrensaft (2004) an 72 aufeinander folgenden Tagen den Hamburger Schlemmermarkt besucht und an jedem dieser Tage einen kleinen Möhrensaft bestellt.
Die aus dieser alltäglichen Handlung resultierenden Dialoge mit den Verkäufern und Verkäuferinnen hat sie notiert und weiter verarbeitet. Zum einen liegen die kurzen Gespräche in Schriftform als Buch vor, zum anderen hat Horsch sie akustisch inszeniert, auf monotone, laienhafte Art. Das daraus entstandene Hörstück erklingt in einer Endlosschleife, die die Gleichförmigkeit der Handlungen noch betont. Die ritualhafte Wiederholung ermöglicht es, Abweichungen von der Routine deutlicher wahrzunehmen.
Gebannt lauscht der Besucher den Kurz-Dialogen, und kleine Varianten im Gesprächsverlauf – etwa über das Wetter – werden zu Ereignissen. Während man im Buch rasch vor- und zurückblättern kann, lässt die lineare Struktur des Hörstücks pedantisch Zeit verstreichen und zwingt dazu, Details wahrzunehmen. Mal scheint der Verkäufer die Gewohnheiten der Kundin zu kennen, dann wieder ist es ein Gespräch wie zu Beginn der Schlaufe. Und kostete der Möhrensaft zunächst drei Mark, so ist es später „ein Euro fünfundfünfzig“. Horschs Feldforschung enthält sowohl eine humorvolle wie eine soziologische Note und ergibt mit ihrem hartnäckigen Vorgehen ein Archiv, das als Erzählung viel Raum für eigene Interpretation und Emotion lässt.
Möhrensaft hören: